Traditionsgeschäft „Schwarzwald-Bazar“ in Baden-Baden schließt nach 135 Betriebsjahren

Das Baden-Badener Traditionsgeschäft "Schwarzwald-Bazar" für Kuckucksuhren, Tourismusartikel und Markenspielzeug schließt nach 135 Betriebsjahren zum 31. August 2020.

Seit 1885 war der "Schwarzwald-Bazar" in der Lichtentalerstraße 14 für Kurgäste, Durchreisende, Einheimische und selbst für gekrönte Häupter die Adresse, für typisches Schwarzwälder Uhrenhandwerk, Preziosen des traditionellen Schnitzereihandwerks aus dem Erzgebirge, hochwertige Spielwaren deutscher Markenhersteller und touristische Andenken.

Der ursprüngliche Familienbetrieb, dessen Wurzeln an anderem Standort in der Kurstadt sogar bis ins Jahr 1830 zurückreichen, profitierte von Beginn an vom internationalen Flair. Bis zum Ersten Weltkrieg waren russische, französische und vor allem auch englische Kurgäste regelmäßige Stammkunden.

Nur mühsam erholte sich in der Zeit der Weimarer Republik das Geschäft wieder, bis im Jahre 1936 der jüdische Besitzer unter dem Vorwurf angeblicher Steuervergehen gezwungen war, mit seiner Familie über Frankreich nach Palästina und die USA zu emigrieren, so dass der Betrieb „arisiert“ weitergeführt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten drei Generationen das Gesicht des "Schwarzwald-Bazars". Viele Baden- Badener erinnern sich daran, ihre Spielzeugträume dort im Schaufenster bestaunt zu haben: die Käthe Kruse Puppe, den Steiff-Bären, die Märklin Eisenbahn, Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge.
Dem Familienbetrieb drohte ohne eigene Nachfolge die Schließung, und so übernahm im Jahr 2013
Christina Horn nach einer Modernisierung und mit erweitertem Sortiment das Ladengeschäft, um den Fortbestand dieses Juwels mit neuem Gesicht für das Baden-Badener Stadtbild zu sichern.

Die Gründe für die diesjährige Geschäftsaufgabe sind leider naheliegend:
Bei hohen Fixkosten ist es in diesem Sortimentssegment fast unmöglich gegen den Onlinehandel, den z. B. auch Spielwarenhersteller zusätzlich mit eigenen Onlineshops und Rabatten anheizen, bestehen zu können. Handelsketten (u.a. für Drogeriewaren, Bücher und Lebensmittel) haben ihre Sortimente um Spielzeugprodukte erweitert, die sie aufgrund ihrer Abnahmemengen weit unter der unverbindlichen Preisempfehlung anbieten können. Damit werden Preise im Einzelhandel unattraktiv, Gewinne marginalisiert.

"Deshalb ist im Einzelhandel auch mit Stammkunden allein heute nicht mehr zu überleben", sagt Christina Horn: "Geschäftsmodelle sind nicht nur ins Wanken geraten, sondern werden unter diesen Bedingungen verschwinden. Den Umbruch hat die Pandemie zusätzlich beschleunigt. Die Innenstädte werden leider zunehmend gesichtslos, je mehr Filialisten sich ansiedeln - dass aber auch sie schon nicht mehr das Erhoffte erwirtschaften können, zeigen die vielen Leerstände auch in Baden-Badens Innenstadt. Es wäre bedauerlich, wenn sich am Ende nur noch Gastronomiekonzepte bei Besuchern behaupten können. Ich hoffe für die Stadt, dass sie wieder an Einkaufs-Attraktivität gewinnt und danke herzlich all denjenigen Kunden, die mir ganzjährig die Treue gehalten haben."